Homosexuelle in der Politik
Von Jürgen Dieter Ueckert
Ein
Homosexueller als zweiter Mann des Staates – als Präsident des
Bundesrates. Also als erster Stellvertreter des ersten Manns, des
Bundespräsidenten. Und das ist auch gut so – wenn Klaus Wowereit,
Regierender Bürgermeister in Berlin, dieses Amt ausübt. Gleiches gilt
für Ole von Beust, Bürgermeister in Hamburg.
Ein Mann,
der einen Mann liebt, ist heute kein Makel mehr - schwul ist in der
deutschen Politik kein Hindernis auf dem Weg nach oben. Auch der
liberale Parteichef, Guido Westerwelle, wurde neulich erst zusammen mit
seinem Partner Michael Mronz vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl
privat eingeladen – um ihm seinen Segen für ein neues schwarz-gelbes
Bündnis in Berlin zu geben.
Wenn selbst in Bayern, im
3.400-Seelen-Ort Bodenmais, ein geouteter 23-jähriger Sozi neuer
Bürgermeister wird, dann hat sich was verändert – und zwar zum Guten und
zu einem Mehr an Demokratie im Staate D. Einen Skandal müsste es geben,
wenn ein bekennender Homosexueller – ob nun Frau oder Mann – wegen
seiner Neigung in der Öffentlichkeit gebrandmarkt wird.
Selbst
in der muffigen Nachkriegszeit hatte Konrad Adenauer,
CDU-Bundeskanzler, auf eine Frage nach der Homosexualität seines
Außenministers Heinrich von Brentano gewitzt gekontert: „Bei mir hat er
es noch nit versucht.“ Heute sind Schwule und Lesben politisch bei SPD,
Union, Liberalen, Linken oder Grünen in Netzwerken organisiert.
Niemand
kann von schwulen Politikern in Deutschland verlangen, sich zu outen.
Jedoch sollten Verlogenheiten vorbei sein, in der sich Prominente für
die Öffentlichkeit mit Pseudo-Lebensgefährt(inn)en abbilden lassen –
oder gar zu Home-Storys eingeladen haben. Gerüchte folgen auf dem Fuß.
Die Lüge ist noch ein abendfüllendes Thema - nicht die Homosexualität.
Auch
bei uns im Ländle sind die Zeiten vorbei, in denen im Stuttgarter
Staatstheater ein berühmter Kritiker - Verleger und Chefredakteur aus
Tübingen - quasi als einziger unter den Promis seine Homosexualität
nicht verheimlichte.
Die widerlichen Anschwärz-Methoden
des Krawall-Schwulen Rosa von Praunheim sind ebenfalls vorbei, als er
Promis wie Alfred Biolek und Hape Kerkeling zum Zwangs-Outing brachte.
Die Zeiten haben sich gewaltig verändert.
Es wird nicht
mehr lange dauern, bis wir im Ländle auch bayrische Zustände haben.
Sich Outen ist akzeptabel – genauso wie das Nicht-Outen noch lange nicht
Lügen heißt. Guido Westerwelle meinte, dass er sein Privatleben nicht
verstecke – „aber ich stelle es auch nicht ins Schaufenster“.
Genau
– diese Art von Wahrheit steigert die Glaubwürdigkeit der ganzen Partei
und Politik. Ansonsten gilt – was Friedrich II, preußischer König, im
Juni 1740 schrieb: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“
04.07.2009
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