Sonntag, 16. Februar 2014

Ein sachlicher Alltag

Schmerzende Wunden

Von Jürgen Dieter Ueckert

Ist eine Liebe noch frisch, dann wird sie gern jubilierend besungen. Wie bei Romeo und Julia. Im Fernsehen, Kino oder im Theater schauen Leute gern zu – drücken heimlich ein paar Tränen weg. Und wenn die Romanze ihrem Höhepunkt zusteuert, dann wird im Kino abgeblendet. Sprich – das schöne Drama ist beendet. Vorhang zu – und wenn sie nicht gestorben, dann leben sie noch heute. Niemand will die Normalität einer Liebesgeschichte sehen. Das ist sachlicher Alltag. Und irgendwann ist alles vorbei - ganz ohne Happy End.

Erich Kästner hatte in seiner „Sachlichen Romanze“ das so beschrieben: „Als sie einander acht Jahre kannten (und man darf sagen: sie kannten sich gut), kam ihre Liebe plötzlich abhanden.“ – Klar, dass dieses Liebenspaar traurig ist – verständlich. Aber ohne Streit – ganz sachlich. Wie üblich bei intelligenten Menschen. Kästner: „Sie betrugen sich heiter, versuchten, als ob nichts sei, und sahen sich an und wussten nicht weiter.“ Diese Leute haben in ihren Köpfen eine Erinnerung, die ihnen sagt - wie einst ihre Liebe begann - und jetzt? Sie können "es einfach nicht fassen". Perdu – vorbei.

Das sachliche Paar stellt fest, ganz fast nebenbei - an einer Trennung führt schicksalhaft kein Weg vorbei. Einer will weg, und der andere Partner klammert. Und wenn sie nicht aufpassen, bahnt sich langsam und schlicht eine Katastrophe an. So ist es in der Liebe - einer ist immer noch der Liebende. Und wenn der sich nicht zum Geliebten machen kann, dann ist diese Liebe nur noch ein Unglück für ihn. Alltag. Erfahrungen, die fast jeder Mensch macht: Eine Liebe kann auch schmerzende Wunden schlagen, die nur ganz langsam verheilen.

03.07.2009

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen