Schmerzende Wunden
Von Jürgen Dieter Ueckert
Ist
eine Liebe noch frisch, dann wird sie gern jubilierend besungen. Wie
bei Romeo und Julia. Im Fernsehen, Kino oder im Theater schauen Leute
gern zu – drücken heimlich ein paar Tränen weg. Und wenn die Romanze
ihrem Höhepunkt zusteuert, dann wird im Kino abgeblendet. Sprich – das
schöne Drama ist beendet. Vorhang zu – und wenn sie nicht gestorben,
dann leben sie noch heute. Niemand will die Normalität einer
Liebesgeschichte sehen. Das ist sachlicher Alltag. Und irgendwann ist
alles vorbei - ganz ohne Happy End.
Erich
Kästner hatte in seiner „Sachlichen Romanze“ das so beschrieben: „Als
sie einander acht Jahre kannten (und man darf sagen: sie kannten sich
gut), kam ihre Liebe plötzlich abhanden.“ – Klar, dass dieses
Liebenspaar traurig ist – verständlich. Aber ohne Streit – ganz
sachlich. Wie üblich bei intelligenten Menschen. Kästner: „Sie betrugen
sich heiter, versuchten, als ob nichts sei, und sahen sich an und
wussten nicht weiter.“ Diese Leute haben in ihren Köpfen eine
Erinnerung, die ihnen sagt - wie einst ihre Liebe begann - und jetzt?
Sie können "es einfach nicht fassen". Perdu – vorbei.
Das sachliche Paar
stellt fest, ganz fast nebenbei - an einer Trennung führt schicksalhaft
kein Weg vorbei. Einer will weg, und der andere Partner klammert. Und
wenn sie nicht aufpassen, bahnt sich langsam und schlicht eine
Katastrophe an. So ist es in der Liebe - einer ist immer noch der
Liebende. Und wenn der sich nicht zum Geliebten machen kann, dann ist
diese Liebe nur noch ein Unglück für ihn. Alltag. Erfahrungen, die fast
jeder Mensch macht: Eine Liebe kann auch schmerzende Wunden schlagen,
die nur ganz langsam verheilen.
03.07.2009
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