Auf hoher Wahlkampf-See
Von Jürgen Dieter Ueckert
Der
Kampf ist eingeläutet - die Schlacht kann beginnen. Das Stechen,
Beleidigen und Herabsetzen zwischen den Parteien - für die Wahl des
neuen Bundestags im September. Aber sehr frisch schauen die
Polit-Matadore nicht aus der Wäsche – weder im Bund noch in den Ländern.
Den
Christdemokraten im Ländle zum Beispiel sitzt das Ergebnis der
Europawahl tief in den Knochen. Günther Oettinger,
CDU-Landesvorsitzender, und Thomas Strobl, schwarzer Generalsekretär,
schauen dann auch immer bitterernst und bedeutungsvoll in die Runde,
wenn sie ihren Misserfolg kommentieren sollen.
Von
Schuld ist in der CDU nichts zu hören - und so kam die Europawahl wohl
mehr über die Union wie einst der grausige Lothar, der gewaltige Orkan
im Land. So ist es halt – wie immer bei einer Naturkatastrophe, bei der
letztlich niemand Schuld trägt.
Dabei liebt diese
Partei unser Ländle wie sich selbst. Gedankt hat es niemand – im
Gegenteil: auch die Kommunalwahl ging in die Hose. Das schmerzt und
schmiedet zusammen - das traurige Schicksal dieser beiden aneinander
geketteten Unions-Mannen Oettinger und Strobl. Und es grummelt schon
gefährlich und bedrohlich an der Partei-Basis - hörbar.
Aber
das große Zittern beginnt erst jetzt. Für das Bundestagwahl-Ergebnis
wirken die miesen CDU-Zahlen von Juni wie eine flammende Schrift an der
berühmten Wand - siehe Bibel. Abtauchen geht nimmer. Die
Wahl-Schlachtkreuzer der verschiedenen Farben sind ausgelaufen – kämpfen
auf hoher See mit den hohen Wellen und den Stürmen und gegeneinander.
Über
die CDU-Katastrophe von Juni können sich die Sozis jedoch nicht im
geringsten freuen. Bei Ergebnissen zwischen 18 und 20 Prozent für die
SPD hilft Wundenlecken nicht mehr – untergehen oder den Kurs wechseln.
Sonst purzeln die Sozi-Ergebnisse weiterhin munter ins Tal, um sich dort
als Normalfall zwischen Ergebnissen von zehn und zwanzig Prozent
wiederzufinden.
Nur bei den Freien Demokraten ist trotz
der schlechten Wahlbeteiligungen und Abstürze der beiden
Pseudo-Volksparteien die Stimmung gut. Der Vorsitzende krakeelt als
Stimmungskanone auf dem liberalen Dampfer und macht auf gute Laune.
Guido Westerwelle, der laute 18-Prozent-Liberale, und Oskar Lafontaine,
als populistischer Linke-Vorsitzender und damit gesalbter Nachfolger
Honeckers, sind jene Typen, die man uns in der Schule einst als
Klassenclowns gewarnt hatte.
Was die beiden
Marktschreier bundesweit bieten, das macht die FDP in Baden-Württemberg
allein. Die liberale Dompteuse Birgit Homburger und ihre Clownstruppe in
Stuttgart zeigen ihrem CDU-Ministerpräsidenten Oettinger oft die lange
Nase – und wenn der nicht aufpasst, ziehen sie ihm sogar die Hose aus.
Und lachen sich halbtot - über den blamierten Oettinger.
Dagegen
gerieren sich die Grünen bundesweit und im Ländle mit ihren über zehn
Prozent als echte und letzte bürgerliche Partei. Momentan weiß ich nicht
ganz, wo wir sind – entweder immer noch im humorigen Polit-Zirkus mit
den atemberaubenden Finanz-Künsten - oder schon auf hoher Wahlkampf-See
mit den leeren Blupp-Wortblasen. Wenn – dann ahoi.
30.06.2009
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