Sonntag, 16. Februar 2014

Ein Wahlkampf hat begonnen

Auf hoher Wahlkampf-See

Von Jürgen Dieter Ueckert

Der Kampf ist eingeläutet - die Schlacht kann beginnen. Das Stechen, Beleidigen und Herabsetzen zwischen den Parteien - für die Wahl des neuen Bundestags im September. Aber sehr frisch schauen die Polit-Matadore nicht aus der Wäsche – weder im Bund noch in den Ländern.

Den Christdemokraten im Ländle zum Beispiel sitzt das Ergebnis der Europawahl tief in den Knochen. Günther Oettinger, CDU-Landesvorsitzender, und Thomas Strobl, schwarzer Generalsekretär, schauen dann auch immer bitterernst und bedeutungsvoll in die Runde, wenn sie ihren Misserfolg kommentieren sollen.

Von Schuld ist in der CDU nichts zu hören - und so kam die Europawahl wohl mehr über die Union wie einst der grausige Lothar, der gewaltige Orkan im Land. So ist es halt – wie immer bei einer Naturkatastrophe, bei der letztlich niemand Schuld trägt.

Dabei liebt diese Partei unser Ländle wie sich selbst. Gedankt hat es niemand – im Gegenteil: auch die Kommunalwahl ging in die Hose. Das schmerzt und schmiedet zusammen - das traurige Schicksal dieser beiden aneinander geketteten Unions-Mannen Oettinger und Strobl. Und es grummelt schon gefährlich und bedrohlich an der Partei-Basis - hörbar.

Aber das große Zittern beginnt erst jetzt. Für das Bundestagwahl-Ergebnis wirken die miesen CDU-Zahlen von Juni wie eine flammende Schrift an der berühmten Wand - siehe Bibel. Abtauchen geht nimmer. Die Wahl-Schlachtkreuzer der verschiedenen Farben sind ausgelaufen – kämpfen auf hoher See mit den hohen Wellen und den Stürmen und gegeneinander.

Über die CDU-Katastrophe von Juni können sich die Sozis jedoch nicht im geringsten freuen. Bei Ergebnissen zwischen 18 und 20 Prozent für die SPD hilft Wundenlecken nicht mehr – untergehen oder den Kurs wechseln. Sonst purzeln die Sozi-Ergebnisse weiterhin munter ins Tal, um sich dort als Normalfall zwischen Ergebnissen von zehn und zwanzig Prozent wiederzufinden.

Nur bei den Freien Demokraten ist trotz der schlechten Wahlbeteiligungen und Abstürze der beiden Pseudo-Volksparteien die Stimmung gut. Der Vorsitzende krakeelt als Stimmungskanone auf dem liberalen Dampfer und macht auf gute Laune. Guido Westerwelle, der laute 18-Prozent-Liberale, und Oskar Lafontaine, als populistischer Linke-Vorsitzender und damit gesalbter Nachfolger Honeckers, sind jene Typen, die man uns in der Schule einst als Klassenclowns gewarnt hatte.

Was die beiden Marktschreier bundesweit bieten, das macht die FDP in Baden-Württemberg allein. Die liberale Dompteuse Birgit Homburger und ihre Clownstruppe in Stuttgart zeigen ihrem CDU-Ministerpräsidenten Oettinger oft die lange Nase – und wenn der nicht aufpasst, ziehen sie ihm sogar die Hose aus. Und lachen sich halbtot - über den blamierten Oettinger.

Dagegen gerieren sich die Grünen bundesweit und im Ländle mit ihren über zehn Prozent als echte und letzte bürgerliche Partei. Momentan weiß ich nicht ganz, wo wir sind – entweder immer noch im humorigen Polit-Zirkus mit den atemberaubenden Finanz-Künsten - oder schon auf hoher Wahlkampf-See mit den leeren Blupp-Wortblasen. Wenn – dann ahoi.

30.06.2009

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